– Was passiert mit uns, wenn wir uns aufraffen und Ordnung in den Kleiderschrank bringen?
Unordnung im Kleiderschrank ist einfach eine unangenehme Sache. Weil, auch wenn die Türen zu sind, weiß ich ja trotzdem, wie es drinnen ausschaut. Und jedes Mal, wenn ich vorbei gehe, fühle ich mich schlecht. So nah dem Motto: „natürlich müsste hier ausgemistet werden, aber ich weiß ja gar nicht, wo ich anfangen soll.“

Der Trick ist, dass ich mir zuerst nur kleine Ziele vornehme. Es muss ja nicht gleich der ganze Schrank sein, vielleicht mach ich heute nur die Pullover, und dann sehen wir weiter. Meistens bekommt dann die Ausmistaktion so richtig Schwung und man möchte gleich weiter machen. Aber bitte immer ohne Zwang.
Ich darf mir aber auch Hilfe suchen. Vielleicht hat eine Freundin Zeit, zu zweit geht es nicht nur schneller, es ist auch lustiger.

Und dann darf ich einmal richtig stolz auf mich sein. Es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas, das mir schon lange im Magen liegt, erledigt zu haben.

Und wenn wir dann nach dem langen Winter endlich die Sommersachen herausholen können, ist die Freude umso größer, weil wir ja diese Stücke ein halbes Jahr nicht gesehen haben. Das hat sich übrigens auch bei den Spielsachen von kleineren Kindern sehr bewährt.

– Warum ist in so vielen Schränken des Landes eine große Unordnung vorzufinden?

Dieses Problem haben nicht nur wir in Österreich, in England oder den USA gibt es sogar eigene Kurse zum Thema Ausmisten. Es gibt mittlerweise auch eine recht große Auswahl an Büchern zu diesem Thema. (Karen Kingston: Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags)
Ich glaube, dass viele Menschen – und das betrifft nicht nur Frauen – einfach überfordert sind mit dem Ausmaß an Angeboten und Ausverkäufen.
Ich muss ja nicht einmal mehr das Haus verlassen, um shoppen zu können. Ein paar Clicks im Internet und schon werden mir die hübschen Sachen nach Hause geliefert.
Dann kommen mit jeder neuen Saison neue Farben, ein neuer Trend. Viele meinen, man muss mit jeder Mode mitmachen.
Und dann gibt es noch die sogenannten Frustkäufe. Wenn ich Ärger bei der Arbeit oder mit dem Partner habe, dann tröste oder belohne ich mich halt mit etwas Schönem.
Und irgendwann ist der Kleiderkasten voll, dann das ganze Zimmer, dann der Keller oder Dachboden, usw.

– Was muss drin bleiben, was muss raus

Drin bleibt prinzipiell einmal alles, was mir noch passt und was ich gerne trage.
Am besten Winter und Sommer getrennt. Und das sollte dann auch nach Farben geordnet sein. Und außerdem wird die Kleidung auch besser geschont, wenn sie nicht so vollgestopft ist.

Raus muss: alles, was ich seit 2 Jahren nicht mehr angehabt habe. Die Mode und der persönliche Geschmack haben sich geändert, und die Figur eben meistens leider auch.
Raus muss: alles, was nicht mehr zur Altersgruppe passt.
Raus muss: alles, was kratzt oder zwickt.
Raus muss alles Abgetragene.

Ausmisten macht angeblich glücklich – was passiert mit uns Frauen, wenn wir wieder Ordnung haben im Kleiderschrank

Ausmisten macht tatsächlich glücklich. Ersten weil wir endlich etwas geschafft haben, das schon lange fällig war und jetzt eben erledigt ist.
Zweitens haben wir einen guten Überblick über unsere Schätze, daraus ergeben sich nämlich viele neue Kombinationsmöglichkeiten.
Und drittens ist wieder Platz für das eine oder andere neue Stück.

– Vielleicht ein paar Beispiele von ihnen – Erfahrungen mit Kunden…

Oft werden wir gerufen wegen eines übervollen Kleiderschranks, meist folgen dann aber auch Desasterplätze wie Schreibtisch, Bibliothek, Keller oder Dachboden.
Wir hatten vor circa 2 Jahren einen lieben Kunden, der sein Haus verkaufen wollte. Der Makler hat ihm gesagt, er sollte etwas aufräumen, weil es sich dann noch besser verkauft. Es war zwar nicht unordentlich, aber es waren halt zu viele Dinge auf zu wenig Raum. Also hat er uns angerufen. Und dann hat er sich plötzlich so wohl gefühlt, dass er das Haus doch lieber selbst behalten hat.